Schottland – Tag 10

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15.10.05 Schottland
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Jede Reise braucht wohl Tage die nicht so gut laufen und einer davon muss der Schlechteste sein. Heute hat sehr gutes Potential diesen Titel zu gewinnen. Nicht das alles schlecht gewesen wäre, aber doch eine ganze Menge dir mir persönlich den Tag ziemlich verhagelt hat.
Das Unheil begann als wir morgens, kurz vor sechs, mit einem Knall und einem Ruckeln am Zelt aufgeweckt wurden. Ein Teil des Gestänges war gebrochen. Materialschwäche nach nur 5 Mal aufbauen. Mitten in Schottland nützen mir Garantie und Gewährleistung dann auch herzlich wenig. Der Tag musste also umgeplant werden, damit das Zelt heute Abend wieder aufgebaut werden kann.
Inverness ist die nächst größere Stadt in unserer Nähe und verfügt hoffentlich über einen Outdoor-Geschäft. Wir gönnen uns zwar einen lohnenswerten Halt auf dem Weg dahin (Dazu später mehr), vermeiden aber sonstige Verzögerungen. Trotzdem verbringen wir in Inverness mehr als vier Stunden und müssen von da aus dann wieder erste einmal in Regionen die fotografisch für uns interessant sind. Wir steuern über die A9 unser eigentliches Tagesziel, den Cairngorms Nationalpark an.
Inzwischen ist die Sonne vom Vormittag hinter dicken Wolken verborgen die ab und an ein paar Regentropfen fallen lassen. Nach unserem ersten Tag auf Skye zwar erst das zweite Mal das es regnet (Halb Schottland zeigt sich uns gegenüber verwundert das es seit Ende September hier so gutes Wetter hat…) aber es passt zum Tag. Als wir dann auch noch eine weitere Stunde damit zubringen eine Abzweigung zu suchen, die wir am Ende noch nicht einmal finden können (Das erste Mal das unsere Karte verkehrt oder die Beschilderung unzureichend zu sein scheint), haben wir nur noch die Zeit einen Schlafplatz zu suchen und zu hoffen das sich dort noch Bilder machen lassen. Wir sind bereits tief im Nationalpark und auf einer Straße angekommen die der kleinstmöglichen Kategorie unserer Karte angehört. Der Platz ist von der Lage zwar ganz schön, aber der Boden ist ein paar Zentimeter unter der obersten Schicht Erde so steinig, das wir die Heringe nur mit Mühe tief genug versenkt bekommen. Und tief müssen sie, denn inzwischen weht ein kräftiger Wind. Von den Bergen ziehen dunkle Wolken in unsere Richtung.
Nachdem ich in den Zeltnächten zuvor im Halbschlaf von Mördern die unser Zelt aufschlitzen, Autodieben, Räubern, Pumas, Bären und anderen Wahnwitz geträumt habe fehlt mir ein schweres Unwetter natürlich noch.

Das einzig Positive für den Tag: Burger King (Ja, das kann ein Highlight sein, wenn man sonst nur schottisches Dosenessen bekommt. Das ist um Längen schlechter als deutsches) und unser einiger Halt, Die Rogie Falls.

Zu den Rogie Falls muss man ganz klar sagen, dass man möglichst früh dort sein sollte, sonst ist der Ort völlig überlaufen und morgens gibt es dort ein so schönes Licht. Neben dem Wasserfall ist die grüne Route durch den Wald auch sehr lohnenswert.

Was fehlt noch? Ach ja genau:
Rogie Falls: 57°35’21” N 4°36’11” W
Unser Schlafplatz: 57°5’5″ N 3°54’39” W

Ich werde mich dann mal seelisch darauf vorbereiten mitten in der Nacht alles Hab und Gut durch peitschenden Orkan, Regen wie aus Eimern und bestialischem Gewitter aus einem zerfetzten Zelt zu retten.

Gute Nacht wünscht ein frustrierter Städter.

Schottland – Tag 9

15.10.04 Schottland
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Der heutige Tag ist dafür reserviert Skye zu erkunden. So haben wir uns es fest vorgenommen. Überall liest man das Skye der Platz in Schottland sei, den man als Fotograf unbedingt besichtigen müsste. Das wollen wir an diesem Tag tun. Uns ist klar dass wir damit nur die Oberfläche der Insel ankratzen können, aber so ist das an jedem Ort den wir während dieser Reise besuchen. Im Nachgang der zwei Wochen wollen Simon und ich uns noch einmal zusammen setzten und überlegen welche Orte wir uns auf einer späteren Reise noch einmal genauer und ausgiebiger ansehen wollen. Skye wird ganz sicher dazu gehören.

Bevor wir los fahren besprechen wir mit unserer “Gastmutter” (so liebevoll kümmert sie sich um uns) welche Orte sich wirklich lohnen. Sie empfiehlt uns eine Rundfahrt um den Inselteil nördlich von Portree. Die Anzahl der Touristenbusse lässt vermuten das dieser Teil allgemein sehr beliebt ist. Überhaupt muss man sich auf Skye auch Anfang Oktober keine Illusion machen. Zwar haben fast alle B&B geschlossen, aber die Zahl der Touristen ist weiterhin sehr hoch. Es lohnt sich, wenn an einem Spot zu viele sind um selbst in Ruhe fotografieren zu können einfach zu warten. Die Busfahrer haben einen Zeitplan den sie einhalten wollen und müssen (Damit auch alle Ziele geschafft werden), weshalb sie schneller unterwegs sind als man selbst. Man kann sich gemütlich hinter ihnen zurück fallen lassen. Außerdem lohnen sich Zwischenstopps an ungewöhnlichen Orten um der Masse etwas zu entkommen.

Ganz zu Beginn unserer Rundfahrt fahren wir am Dunvegan Castle vorbei. Das Schloss selbst hat man uns gesagt sei nur bedingt einen Besuch wert. Nicht allzu weit dahinter bietet die Straße einige kleine Parkplätze. Mit etwas Kletterei bekommt man einen wundervollen Blick über die See auf das Schloss. Der kleine Abstecher lohnt sich wirklich. (57°27’17” N 6°35’54” W)

Das erste Mal in der Nähe einer anerkannten Sehenswürdigkeit halten wir, wie so oft, an einem kleinen Parkplatz mit herrlichem Blick auf dem Old Man of Storr (57°27’23” N 6°10’57” W) Es gibt kurz vor dem Old Man einen Parkplatz von dem aus man zu dem Felsen wandern kann. Das passt weder in unseren Zeitplan, noch passt unser Auto auf den überfüllten Parkplatz. Davon abgesehen lassen sich von so einem Felsen die besten Fotos aus der Ferne schießen.
Kurz nach unserem ersten Halt, stoppen wir trotzdem noch ein zweites Mal. Jetzt vor einem Wasserfall um den sich Kühe gescharrt haben und ein wunderbar süßes Bild abgeben. Ich kann nicht versprechen das es bei eurem Besuch genauso aussieht, aber falls ihr es versuchen wollt: 57°27’32” N 6°11’3″ W.

Wir lassen den Old Man hinter uns und fahren bei gemütlichem Tempo an der Küste entlang. Wer das Glück hat nicht der Fahrer zu sein, genießt landeinwärts einen umwerfenden Blick auf sich stetig wandelnde Felsen und Berge auf denen das Sonnenlicht unglaubliche Lichtspiele zaubert.

Bisher hatten wir wenig Glück damit in Ruhe zu fotografieren. Ständig wuseln uns andere Touristen direkt vor dem Objektiv herum. Natürlich möchten sie auch ihre Bilder, aber etwas Anstand wäre doch ganz nett. Wir üben uns also in Geduld, bis wir bei 57°32’31” N 6°8’31” W eine atemberaubende Aussicht genießen können. Schade das es noch so früh ist, sonst wäre dies ein idealer Platz zum campen. Wer noch ein paar Schritte vom Parkplatz weg, hin zur Klippe läuft wird mit unfassbar schönen Aussichten belohnt. Unten an der Küste kann man alte Gebäude erkenn und Steine die so aussehen als wären sie einmal das Fundament eines Turmes gewesen. Heute werden sie vom Meer überspült.

Die nächste Sehenswürdigkeit auf unserem Weg ist der Kilt Rock. Eine Formation aus Gesteinsschichten die an einen Kilt erinnert. Daher ganz einfach der Name. In einiger Entfernung davon liegt ein Parkplatz mit bester Sicht (57°36’39” N 6°10’20” W) sowie einem Wasserfall der gut 40 Meter tief ins Meer stürzt. Auch hier lohnt es sich mehr von der Umgebung zu erkunden.

Von nun an ist die Straße wieder einspurig und die Touristenbusse verschwinden. Fast an der nördlichsten Stelle dieses Teils der Insel liegt eine alte Anlage der schottischen Armee, die im zweiten Weltkrieg dazu diente deutsche U-Boote zu sichten. Dementsprechend hat man von hier einen unglaublichen Blick über die Landschaft. (57°40’53” N 6°16’36” W)

Eigentlich war unser Plan diese Nacht auch noch auf Skye zu verbringen. Es gibt hier eine Reihe Spots an denen man Nachts besonders gut die Sterne beobachten können soll. Wir haben uns für einen entschieden der in der Nähe der Brücke liegt. Morgen soll es weiter nach Inverness gehen und wir wollen etwas Strecke vorlegen. Leider entpuppt sich der “Platz” als Wanderweg an dem man zwar wundervoll Otter und Delfine beobachten können soll, aber leider nicht lagern kann. Das es bereits so spät ist, das wir uns keine Zeit mehr nehmen können um uns sowohl Otter als auch Delfine anzusehen (oder zumindest nach ihnen zu suchen) ist sehr ärgerlich und wurmt uns beide. Nichts desto trotz brauchen wir einen Schlafplatz und den findet man eben am besten im hellen. Wir merken uns den Platz für unsere nächste Reise.

Fündig für die Nacht werden wir erst viel später uns kurz vor Sonnenuntergang weit in Richtung Inverness auf einer Straße die uns eine Familie als schöne Alternative zur Hauptroute empfohlen hat. Viele Gleise mit hohen Zäunen und ebenso hohen Büschen verhindern jedoch eine Sicht auf das Land, das dazwischen immer wieder hervor blitzt und uns ein wenig an Kanada erinnert. Daher bleibt der Nachmittag heute ohne nennenswerte Fotos und Stopps. Fündig werden wir direkt am Loch Dughaill (57°28’27” N 5°20’38” W). Wir können das Zelt nur wenige Meter entfernt vom Wasser aufschlagen und hoffen morgen früh einen herrlichen Ausblick genießen zu können. Jetzt werden wir erst einmal versuchen den Mücken zu entgehen indem wir uns tief im Schlafsack verkriechen und dann den Rehböcken lauschen.

Schottland – Tag 8

15.10.03 Schottland
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Ein Tag an dem nicht viel läuft wie geplant. Wir haben beide in der Nacht sehr wenig geschlafen und haben die meiste Zeit des Tages damit verbracht einen neuen Schlafplatz zu finden. Es scheint als hätten fast alle B&B auf Skye bereits geschlossen und die wenigen die geöffnet haben sind voll. Es kostet uns über drei Stunden ein Zimmer zu finden.

Wir sind heute morgen direkt nach Skye durchgestartet. Einen längeren Aufenthalt an unserem Schlafplatz wollten wir beide uns aufgrund der unzähligen Mücken nicht antun. Vor dem Erreichen der Insel ist die Landschaft zwar schön anzusehen aber aufgrund der dicken Wolken nicht schön zu fotografieren.
Auf der Insel selbst wählen wir sofort die nächstmögliche kleine Straße. Und auch heute bewahrheitet sich die Richtigkeit dieser Entscheidung. Drei Mal machen wir an der B8083 Halt bevor wir zur Hauptstraße zurück kehren (57°13’12” N 5°56’14” W, 57°12’58” N 6°1’19” W und 57°8’51” N 6°6’8″ W) Es hätte sich möglicherweise bei besserem Wetter und weniger Touristen gelohnt ganz bis zum Ende zu fahren, wir lassen es jedoch.
Etwas später halten wir noch zwei Mal an der A87 (57°16’8″ N 6°4’1″ W und 57°15’47” N 6°5’29” W). Gerade der letzte Halt, ein Wasserfall hat sich wirklich gelohnt, da wir nicht wie alle anderen an der Straße stehen geblieben sind sondern uns nach unten an den Fluss gewagt haben und so einen viel schöneren Blick auf die Szene bekommen haben als wir gedacht hätten.

Ein letztes Mal halten wir bei Talisker, der Destillerie. Es ist unsere Erste und vermutlich auch unsere letzte auf dieser Tour. Fotografiert werden darf in den meisten Destillen aufgrund der explosiven Atmosphäre leider nicht. Und da sich die Herstellung nur minimal von Destille zu Destille unterscheidet macht es für uns wenig Sinn mehr als eine anzusehen. Taliskar ist jedoch ganz gut anzusehen. Alternativ liegt etwas nördlich von Edinburgh Famouse Grouse. Die ist kleiner und noch schöner. Dafür aber auch teurer.

Genächtigt wird jetzt im Kilmuir Park. Hier machen wir noch einen längeren Spaziergang vor dem Abendbrot und durften nun fest stellen das unser frisch gekaufter Adapter nicht funktioniert. Insbesondere da sich die Ladung unserer Kameraakkus dem Ende entgegen neigt, drückt es die Stimmung sehr.

Nachtrag: Die Stimmung ist dank unserer Gastgeber deutlich gesteigert. Sie konnten uns mit einem Adapter aushelfen, so dass unsere Akkus nun wieder für drei bist vier Tage reichen. Ich werde die Gelegenheit nutzen und die Fotos sichten die seit dem Versagen unseres Spannungswandlers aufgelaufen sind.
Und ja, das auf den Fotos ist tatsächlich ein handzames Pfauenweibchen.

Schottland – Tag 7

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15.10.02 Schottland
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Alleine für diesen einen Tag hat sich die gesamte Reise gelohnt. So viele verschiedene Orte haben wir an keinem Tag zuvor gesehen. So nah an dem “Erlebnis Schottland” waren wir noch nie. Dieser Tag ist der Inbegriff warum wir her gekommen sind.

Anfangen hat alles mit leichtem Morgennebel der sich durch das Tal zu unseren Füßen und über die Berghänge an den Seiten schiebt. Zusammen mit den Farnen und dem Moos das über alles wächst, fühlte man sich sofort wieder an einen subtropischen Regenwald erinnert.

Unser Tagesziel war es in Richtung Skye zu kommen. So nahe wie es halt passt. Dazu haben wir uns entschieden nicht die großen, sondern die besonders kleinen Straßen zu nehmen. Wir haben in den letzten Tagen die meisten Spots und die besten Aussichten an Straßen gefunden die auf unserem Atlas als Straßen “intermediate streets” gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um einspurige Straßen die weit ab der üblichen Touristenwege liegen und an Stellen führen, die die Schnellstraßen meiden. So durchqueren wir auch dieses Mal eine Vegetation bestehend aus gigantischen Blättern, Moos das Bäume, Mauern und Brücken überwuchert, Pflanzen die in frischem Grün erstrahlen als hätten wir Frühjahr und nicht Herbst, und zwischen all dem undurchdringlicher Dunst.

Unser erster Stopp liegt am Loch Awe, direkt an einem Hotel. Der kleine Angler- und Bootssteg bietet einen fantastischen Ausblick. (56°20’22” N 5°9’30” W)
Weiter geht es dann über eine Hauptstraße in Richtung Norden. Immer wieder blitzt eine schöne Landschaft durch die Bäume am Straßenrand. Der Regenwald ist einem Feuchtgebiet aus großen Wiesen gewichen auf denen sich Schafe im meterhohen Gras verstecken. Mit einem Mal wird eine Ruine sichtbar, wie sie da mitten in einem See steht, zugänglich nur über einen Damm von hunderten Meter Länge. An der Seite, an der wir uns befinden, liegt vor dem See ein breiter Streifen Schwemmland an dessen Kante sich ein Hain befindet. Irgendwie sieht er stark nach aller Kultstätte aus. Ein guter Grund also sich der Burgruine bis zur Wasserkante zu nähern und den Hain genauer zu betrachten. Einige Male müssen wir umkehren und uns einen anderen Weg suchen, denn der Boden ist viel zu weich um ihn betreten zu können. Am Ende erreichen wir aber doch den See und den Hain. Wundervolle Fotos im Kasten. (56°24’4″ N 5°1’37” W)
Bei der Suche nach einem Weg zum Damm, um die Ruine genauer in Augenschein nehmen zu können, finden wir auf unserer Karte den Namen der alten Burg: Kilchurn. Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit zu ihr zu gelangen. Das sogar trockenen Fußes und von einem großen Parkplatz aus auf dem uns eine von diesen vielen japanischen Reisegruppen entgegen kommt. Wohl doch nicht so der Geheimtipp wie gedacht. Die Burg selber können wir nicht betreten. Sie ist von Bauzäunen abgesperrt. Es scheint so, als würde hier daran gearbeitet den Ort für Touristen zugänglicher zu machen. (56°24’16” N 5°1’33” W)

Nun führt uns unser Weg wieder runter von der Hauptstraße, entlang des Orchy. Ein breiter Fluss der sich zwischen kleinen Geröllhalden dahin schlängelt um dann auf halber Strecke zwischen zackigen, scharfkantigen und glänzenden Granitsteinen in zwei Dutzend Wasserfällen in die Tiefe zu stürzen. Überall rauscht es, Stromschnellen kündigen die Wasserfälle an und zwischen den Steinen bilden sich hier und da ruhigere Seen. Ein Besuch lohnt sich wirklich. Nur vorsichtig sollte man sein, denn die Steine sind extrem glatt. (56°26’54” N 4°51’8″ W)

Von jetzt an gibt es keine Nebenstraßen mehr auf die wir uns verdrücken können und wir müssen mit den anderen Touristen in Richtung Fort William schwimmen. Bevor wir diesen Ort erreichen machen wir noch zwei Mal Halt. Das erste Mal auf einem großen Parkplatz (56°34’6″ N 4°45’16” W) mit umwerfender Aussicht über das Land hinter uns. Zwischen gigantischen Bergen erstreckt sich ein sonnenbeschienenes Tal auf das man aus hunderten Metern herab schaut. Ein Anblick an dem man sich nicht satt sehen kann.
Der Zweite Halt ist ein viel kleinerer Parkplatz (56°39’20” N 4°52’37” W) von dem sich unweit ein Bach aus den steilen Bergen den Weg zum nächsten Loch bahnt. Mit sich hat er schwere Gesteinsbrocken getragen. Zusammen mit der Vegetation aus niedrigen und knorrigen Flechten fühlt man sich an die Tundra erinnert. Für mich mein Lieblingsspot der Reise bisher. Hier könnte ich Stunden verbringen. (Nachtrag: Es ist auch mein absoluter Lieblingsspot geblieben)

Auf der weiteren Reise türmen sich links und rechts von uns Berge gewaltiges Ausmaßes auf, die wir uns technisch nicht in der Lage fühlen zu erfassen. Sie muss man als Wanderer bezwingen und sich an ihren Flanken empor arbeiten. Wir begnügen uns mit fassungslosen Blicken und staunen bei offenen Mündern.
Es folgt Fort William das als Erholungsort wunderbar geeignet ist, fotografisch aber nicht so viel her gibt. In flottem Tempo geht es jetzt fast bis Loch Ness und dann, kurz vorher, wieder nach Norden, direkt auf Skye zu. Geschlafen wird dieses Mal auf einem Plateau über einem Fluss (vom dem es dann hoffentlich morgen Bilder gibt). Hier sind wir, bis auf einen Staudamm und die Straße die uns her gebracht hat, weitab jeder Zivilisation (57°8’42” N 4°59’32” W). Ein steter Wind geht um das Zelt und dunkle Wolken türmen sich an den Bergketten. Ich bin gespannt und auch etwas besorgt wie die Welt wohl morgen aussieht.

Schottland – Tag 6

15.10.01 Schottland
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Mull of Kintyre, oh mist rolling in from the sea…
Dieser alte McCartney Klassiker wird mich den ganzen Tag verfolgen. Als ununterbrochener Ohrwurm.

Schon kurz nach dem Aufstehen stellt sich die Frage wer denn da bloß die Landschaft geklaut hat. Ein tiefer, undurchdringlicher Nebel ist über Nacht aufgezogen und hat alles verschluckt. Nur mühevoll lässt sich die andere Straßenseite erkennen. Während unsere Gastgeberin uns mit klassisch schottischem Frühstück verköstigt (Sausages, Bacon, Pancake, Haggis, Blutwurst) stellen wir einige Fragen über Land und Leute, sowie mögliche Ausflugsziele. Wir erfahren dabei, dass der gälische Name des Hotels, das bei der “Brücke über den Atlantik” liegt, so viel bedeutet wie: Hier die Hosen wechseln. Das Hotel, eigentlich ein Pub, wurde noch zu Zeiten gebaut als das Festland englisch und die Insel selbst gälisch war. Zu der Zeit war das tragen der typisch schottischen Bekleidung jedoch in England nicht gestattet und so mussten diejenigen die über die Brücke wollten dort ihre Röcke gegen Hosen tauschen. Spannender kleiner Fakt.
Im weiteren erfahren wir, dass die Region Kintyre, südlich von uns, überaus lohnenswert ist. Wir entschließen uns zuerst an der Westküste nach Süden zu fahren, dann nach Campbeltown und dann im Osten wieder zurück.

Der anfängliche Nebel will sich partout nicht lichten und der Wechsel in der Vegetation zeigt, dass er hier öfter hängt. So wie es das Lied nahe legt. Gigantische Farne, Blätter größer als unsere Rucksäcke, Moos das über alles wuchert. Und zwischen all dem, den moosbewachsenen Bäumen, den Farben, etwas das aussieht wie Lianen, hängt der Dunst. Wir könnten uns auch in einem Dschungel befinden, irgendwo zwischen Indonesien und Vietnam. Nur mit besseren Straßen. Die Achterbahn aus Asphalt bringt uns immer weiter nach Süden und nur selten lichtet sich dabei der Nebel. Wie sich zeigt ist es eine riesige Wolke die vom Meer aus auf die Küste drückt.
Immer wieder bietet dieses Auftauchen aus der Wolke faszinierende Ausblicke. Das erste Mal halten wir direkt am Meer wo es für einen Moment klar ist. Den Weg vom Parkplatz müssen wir uns durch etwas bahnen das wie gigantischer Rhabarber aussieht (55°44’0″ N 5°36’1″ W). Einen weiteren Halt legen wir entlang der Küstenstraße ein. Hier verlaufen sich die Berge im Hintergrund wundervoll im Dunst und an dem Streifen zwischen Straße und Meer hat man Common Wealth War Graves einen wunderschönen Platz gegeben und damit Soldaten eine würdevolle letzte Ruhestätte gegeben (55°32’58” N 5°42’19” W).
Wir haben Campbeltown fast erreicht als sich ein Abzweiger anbietet, vom dem es scheint als würde er zu einem See in der Mitte der Landzunge führen. Was kann schon schief gehen. Also folgen wir der abenteuerlichen Straße, die gerade breit genug ist für ein Auto und die üblichen “Passing Places” Möglichkeiten zum Ausweichen bieten. Inzwischen habe ich mich an diese Straßen und den Schrecken gewöhnt, den ein entgegenkommendes Fahrzeug auslöst.
Zum ersten Mal sehen wir ein Hinweisschild, das uns vor Schafen auf der Straße warnt. Und tatsächlich liegt wenig später das erste Tier gemütlich auf der Straße und macht keinen Hehl daraus, dass es keine Eile hat uns aus dem Weg zu gehen. Es folgen viele weitere Schafe die an der Straße gemütlich grasen und sich von unserer Anwesenheit nicht beeindrucken lassen. Am Ende der Straße liegt ein großer Stausee an dem sich einige spannende Fotos machen lassen. Insbesondere von Schafen… (55°30’33” N 5°37’54” W)

Campbeltown selbst liegt wieder in dichtem Nebel und wir belassen es bei einem Abstecher zu Tesco’s um uns sogleich wieder durch den malaysischen Urwald zu wagen. Irgendwo auf einer Hügelkuppe haben wir uns einen Punkt gesucht um den surrealen Anblick den Nebel und Vegetation bieten fest zu halten. Mal sehen ob es gelungen ist. (55°33’35” N 5°29’45” W)
Das Gleiche versuchen wir auch noch einmal an einem kleinen Strand, wo eine Familie von dem Schauspiel völlig unbeeindruckt picknickt. (55°34’6″ N 5°29’41” W)

Den Abschluss findet der Tag wieder in Kilmartin. Dieses Mal jedoch im Zelt auf einer Wiese. Leider müssen wir uns mit diesem Abend auch von unserem Spannungswandler verabschieden der die letzten Tage fleißig unsere Akkus geladen hat. Wir haben ihm wohl zu viel zugemutet.

Schottland – Tag 5

15.09.30 Schottland
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Dies ist der erste Tag an dem es mir schwer fällt unsere Reise zusammen zu fassen. Ich bin heute von der Ost- zur Westküste gefahren, von da aus nach Süden, bis zu unserem heutigen Schlafplatz. Alles in allem nicht so viel, vielleicht 150 Meilen in etwa 6 bis 7 Stunden. Aber mir macht der Linksverkehr noch immer mehr zu schaffen als ich mir eigentlich eingestehen möchte. Auf unserem Weg durch die Küstenstadt Oban habe ich nicht mehr wahr genommen als die Straße vor mir, wie ein Fahranfänger im Tunnelblick. Auf mehr als den Verkehr und unser Auto konnte ich mich nicht konzentrieren; weder auf Straßenschilder noch Anzeigen oder sonstiges. Ohne Simon als hervorragenden Navigator hätte ich das Auto abstellen müssen.
Auf den Landstraßen ist es meistens besser. Es gibt hier im Westen jedoch reichlich Straßen die gerade breit genug für ein Auto sind und nur hin und wieder für ein “passing place” erweitert werden. Dazu kommen steile Kuppen und enge Kurven. Den Schotten scheint das nicht sonderlich viel auszumachen. Anders kann es jedenfalls nicht sein, wenn man auf solchen Straßen noch entspannt mit über 40 Meilen (also mehr als 60 km/h) pro Stunde dahin brettert. Das wäre mir selbst bei Rechtsverkehr schon zu heikel. Dieses andauernd extrem weit vorausschauende fahren kostet unglaublich viel Energie.
Heute Abend haben wir uns beide für das Gemüt ein Bed & Breakfast gegönnt. Damit wollen wir Kraft schöpfen für die nächsten Tage. Mindestens die nächsten zwei Nächte wollen wir wieder im Zelt verbringen. Wir tun uns allerdings noch unglaublich schwer damit einen Schlafplatz zu finden. Wir beide sind eher von schüchternem Gemüt und soziale Kontakte sind nicht unsere Stärke. Da auch hier im Westen mehr der planen Felder eingezäunt sind als wir uns aus unseren bisherigen Gesprächen gedacht hätten, müssten wir auf Höfen fragen. An denen fahren wir aber meistens mit dem Kommentar: “Da hätte wir mal fragen können…” vorbei. In einem längeren Gespräch heute Abend sind wir uns dieses kleinen Problems bewusst geworden und wollen unbedingt daran etwas ändern. Ich drücke uns mal die Daumen.

An diesem Morgen hat es eine Weile gedauert bis wir uns aus den warmen und kuscheligen Schlafsäcken gewühlt hatten. Draußen hatte sich Frost über das Gras gelegt und ließ die Welt in blassem grün-weiß erstrahlen. Laut kurzfristig befragtem Auto waren es 3°C. Kein Wunder das uns das Aufstehen schwer fiel.
Das Frühstück lief, dank im Schlafsack vorgewärmter Nutella, bedeutend einfacher ab als gestern. Auch das zusammenpacken läuft schon besser.

Das erste Ziel des Tages finden wir aus dem Autofenster heraus. Ein See der glatt und ruhig die Berge hinter sich spiegelt, blitzt durch die Bäume. Nur ein paar Meter weiter findet sich ein Parkplatz. Spiegelglatt liegt Loch Iubhair vor uns. Grober Kies bildet das Ufer. Kleine Zuläufe plätschern sanft und gleichmäßig über die Steine.
Witziger Weise war ich vor einem Jahr auf meinem verlängerten Wochenende schon einmal hier. Damals ist mir die überwältigende Schönheit des Ortes jedoch entgangen. (56°24’12” N 4°33’37” W)

Nun geht es quer durch das Land. Alle paar Minuten ändert sich das Bild vor uns. Aus weichen Hügeln werden zerklüftete Steilhänge, die ein wenig an Teile des Harz erinnern, dann gibt es große elegant geformte Hügel die von Gesteinen gespickt werden und in der Nähe der Westküste fahren wir durch von brutaler Gewalt gebrochene Gesteine die sich scharf und Spitz in abstrusen Formationen zu beiden Seiten erheben.
Völlig von diesen Eindrücken überfordert erreichen wir bei Connel die Westküste. Hier geht Loch Etive in die offene See über und bei Ebbe kann man an diesem Übergang einen kleinen Wasserfall beobachten der eine gewaltige Strömung nach sich zieht. Tosend wirbelt das Wasser auf, Kanufahrer mühen sich durch reißende Wogen, tonnen von Wasser werden in die Tiefe gedrückt, nur um am Ufer wieder brodelnd empor zu steigen. Ein fantastisches Schauspiel für die sich ein Halt lohnt. (56°27’17” N 5°23’38” W)

Da es morgen mit der Fähre nach Islay gehen soll führt uns der Weg weiter nach Süden. Einer spontanen Eingebung folgend biege ich nach einer Weile ab und folge einer der vielen braunen Beschilderungen zu schottischen Sehenswürdigkeiten. Schilder die man in den ersten Stunden echt super findet und meint, Deutschland bräuchte auch mehr solcher Hinweisschilder. Nach spätestens zwei Tagen hat man genug von ihnen. Egal wo entlang man fährt, in jede Richtung zeigt ein braunes Schild auf mindestens drei Sehenswürdigkeiten. “Bridge over the atlantic” klang dann aber doch verlockend. Wie man auf den Fotos sehen kann ist die kleine Steinbrücke auf die Insel Seil nicht so wirklich beeindruckend. Vor allem nicht im Vergleich zu der abenteuerlichen Fahrt dorthin. (56°19’4″ N 5°35’1″ W)

Unseren heutigen Schlafplatz finden wir, nachdem uns zwei B&B wegen fehlender Zimmer abgewiesen haben, in Kilmartin (56°7’58” N 5°29’11” W). Zuerst wollten wir hier vor dem Hotel zelten. Angeblich ist das unter Campern ein sehr beliebter Platz. Verständlich bei der Aussicht über das Tal. Simon hat dann jedoch noch das B&B entdeckt in dem ich nun wie oben erwähnt schreibe. Zum Abschluss des Tages werden nun noch die Fotos von heute gesichtet.

Schottland – Tag 4

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15.09.29 Schottland
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Gerade zurück aus der angebotenen Dusche wird gleich die Kamera gezückt. Sanfter Nebel liegt über dem Land und das Licht der Morgensonne zeichnet wundervolle Schatten und spielt mit dem Dunst über den Wiesen.
Am Ende dieses herrlichen Schauspiels brechen wir auf, die wenigen Meilen bis Duncarron zurück legen. Es dauert nicht lange (und nur ein Mal verfahren) bis wir das Carron Valley erreichen (56°1’44” N 4°3’19” W). Eine idyllische kleine Landschaftoase die anscheinend auch bei Hundebesitzern beliebt ist. Gemütlich arbeiten wir uns durch ein kleines Wäldchen, Mountainbike-Wege hinauf, über Trampelpfade, immer wieder einen Blick auf die Karte werfend. Duncarron zu finden gestaltet sich schwieriger als gedacht. Lediglich ein verstecktes Hinweisschild, mehr nicht. Wir würden uns diesen Nachbau eines mittelalterlichen Dorfes aber sehr gerne ansehen. Also beginnt eine Suche die vor allem verwirrte Züge annimmt. Wir können streckenweise sogar die Palisade des Dorfes sehen, nur eben keinen Weg dahin. Es ist zum Haare raufen. Schließlich geben wir auf und finden fast wieder am Auto den richtigen Weg. Glücklich und voller Vorfreude folgen wir dem Weg und finden: Die Türen verschlossen vor…

Das nächste Ziel heißt Sterling. Simon möchte sich gerne das Schloss ansehen (56°7’26” N 3°56’52” W). Parken können wir direkt vor dem Eingang (für 4£ extra). Dein Eintritt von 14.40£ sparen wir uns dank Scottland Explorer Pass allerdings. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von Sterling viel begeisterter bin als von Edinburgh. Nicht nur vom Schloss, sondern von der ganzen Stadt. Man bekommt hier praktisch die Hauptstadt auf das interessanteste und schönste komprimiert und mit weniger Touristen. Im Schloss Sterling hat man sich so richtig Mühe gegeben. Neben liebevollen und höchst aufwändigen Restauration und Geschichtspräsentation wird hier auch viel für kleine Kinder geboten und mehrere gewandete Personen sorgen für zusätzliches Ambiente. So wohl habe ich mich lange nicht auf einer Burg gefühlt. Über drei Stunden haben wir uns für unseren Rundgang Zeit gelassen. Meiner Meinung nach ein absolutes Muss für jeden Schottlandbesuch. Eigentlich hätten wir uns auch noch den Rest der Stadt ansehen müssen, aber wir waren was das angeht noch ziemlich satt vom Vortag.

Nächster und letzter Halt ist das Wallace Monument (56°8’19” N 3°55’4″ W). Fällt für mich unter “Kann man machen, muss man aber nicht.” Es ist recht teuer, wenn man auf den Turm möchte und was man dafür bekommt ist ein Ausblick an dem man sich dann nach 10 Minuten auch satt gesehen hat. Man kann den Turm jedoch als teures Oberschenkeltraining nehmen und sich mit 7 Kilo Kameraausrüstung den steilen Hang und die enge Wendeltreppe hinauf wuchten.
Unsere Wanderschuhe retten uns da den Tag.

Es folgt wieder das Abenteuer Schlafplatzsuche. Da hier im Osten sehr viele Farmen sind, ist bis an die Straßenränder alles für Schafe und Kühe abgesperrt. Genügend Platz für ein Auto nebst Zelt zu finden ist da nicht so leicht. Dank der Hilfe eines älteren Herren, der uns seltsamer Weise erst für Kontrolleure gehalten hat und dachte er hätte etwas falsch gemacht, ließ sich jedoch ein großer Parkplatz vor einem Wanderpfad auftuen.

Schottland – Tag 3

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15.09.28 Schottland
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Zu dem Zeitpunkt an dem ich diese Zeilen schreibe ist die Sonne gerade hinter den sanften Hügeln der Lowlands verschwunden ich selbst bin überschwänglich glücklich. Dies ist unsere zweite Nacht in Schottland und die ersten im Zelt. Das ist der Teil dieser Reise auf den ich mich am meisten freue: Übernachten im Zelt, nur die Sterne über uns.
Einen Platz zu finden war leichter als gedacht. Auf dem Weg von Edinburgh nach Duncarron sind wir bei einigen Höfen angehalten und haben nach einem Stück Wiese gefragt. Schon der Dritte hat uns ein großzügiges Stück angeboten, dazu fließend Wasser und die Möglichkeit die Dusche im Haus zu benutzen. Das ist viel mehr als wir erwartet hatten.
Die zweit beste Nachricht des Tages: Wildcampen ist in Schottland erlaubt! Bisher hatte uns eine Recherche im Internet nur immer wieder auf Campingplätze verwiesen aber keine definitive Aussage hervor gebracht. So lange es öffentlicher Grund ist und niemanden stört; “Use common sense” ist die einzige “Richtlinie”. Sollten wir gerade später in den Highlands keinen Hof oder Campingplatz finden reicht uns also ein Stück nicht eingezäunte Wiese. Perfekt.

Aber nocheinmal kurz zum Anfang des Tages zurück. Kurz nach sieben wurde aus unserem spontan erwählten zwei Sterne Hotel ausgecheckt und alles wieder ins Auto verladen. Tagesziel war Edinburgh, insbesondere das Schloss. Da ich mich noch nicht vollständig an den Linksverkehr gewöhnt habe (ständig schrecke ich auf weil jemand auf “meiner Spur”, also der rechten fährt) wollen wir die direkte Fahrt in die Stadt meiden und lassen uns mit der Straßenbahn bringen. Die 4£ für ein Tagesticket reißen wahrlich kein großes Loch in die Reisekasse. Im Gegenteil, für die sonst hohen Preise Schottlands ist das angenehm günstig.
An der Princess Street (55°57’3″ N 3°12’1″ W) angekommen zieht es uns zunächst in den gleichnamigen Park zu Füßen des Schlosses. Noch immer sind hier Reste des Military Tattoo zu erkennen, das mit dem gigantische Feuerwerk vor ein paar Wochen sein Ende fand. Zwischen Park und Schloss arbeiten sich steile Wege den Hang hinauf. So kürzen wir die lange Einkaufsstraße ab, die sich entlang der Rampe angesiedelt hat. Weder Simon noch ich sind besonders architekturbegeistert und können uns auch nicht wirklich dafür erwärmen. Wir sehen uns alte Gebäude zwar gerne an, aber das reicht auch. Bei mir kommt noch dazu, das die Stadt für mich vorbelastet ist was Taschendiebe angeht. Nur dem wachsamen Auge meines Vaters ist es zu verdanken, dass ich meine Kamera noch habe. Dementsprechend ist Edinburgh mehr ein Pflichtbesuch.

Für den Rundgang durch das Edinburgh Castle nehmen wir uns trotzdem viel Zeit. Hier wurde sich so viel Mühe gegeben. In fast jedem Gebäude ist eine ausführliche Ausstellung rund um das Schloss und das schottische Militär untergebracht, die die 16.50£ Eintritt wahrlich wert sind. Am Ende unseres Besuches lassen wir uns das Geld mit den 40£ für den Scottland Explorer Pass verrechnen. Bei unserem zu erwartenden Konsum an Sehenswürdigkeiten dürfte sich das lohnen.
Viel mehr lässt sich zu unserem Stadtbesuch auch nicht schreiben. Den Abschluss bildet ein verspätetes Mittag im Greyfriars Bobby. Das Lokal und seine Burger kenne ich noch vom letzten Jahr und kann es nur empfehlen.

Kleiner Nachtrag vom Ende der Reise: Ich habe die zwei Wochen mal darauf geachtet wie die Schotten den Namen ihrer Hauptstadt aussprechen. Die Wahrheit scheint zwischen Edinbrah und Edinbö (mit einem sehr kehligen ö) zu liegen.

Die weitere Route führt uns langsam weg von der Großstadt in Richtung Westen. Hier liegt Duncarron, das wir uns morgen ansehen wollen.

An dieser Stelle muss ich den Bericht beenden. Simon fordert mich auf endlich das Zelt zu verlassen um einen atemberaubenden Sonnenuntergang fest zu halten. Sollte es heute Nacht klar sein, werden sicherlich auch noch ein paar Sternenfotos folgen.

Schottland – Tag 2

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15.09.27 Schottland
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Das sanfte Rollen des Schiffes und die monotonen Vibrationen der Motoren haben uns wohlig durch die Nacht gebracht. Dank der Zeitumstellung und des fehlenden Fensters sind wir viel früher auf den Beinen als gedacht und können an Deck einen wundervollen Sonnenaufgang über der Nordsee beobachten. Ganz langsam schiebt sich ein orange glühender Ball durch den Dunst, der den Horizont bedeckt und färbt einen klaren, dunkelblauen Himmel langsam gelb.
Wenig später kommen die ersten Ausläufer der englischen Küste in Sicht. Dann macht der Kapitän zwei kleine Kurskorrekturen und wie aus dem Nichts taucht die Hafeneinfahrt von Newcaste upon Thyne vor uns auf. Zwei massive Mauern an deren Ende je ein großer, düsterer Leuchtturm stehen schieben sich von den Landseiten aus ins Meer, so dass nur eine schmale Durchfahrt bleibt. Sofort spielen sich vor dem inneren Auge Szenen aus der Zeit der Piraten und Freibeuter ab, für die diese Einfahrt ein unüberwindbares Hindernis gewesen sein muss.
Hinter dem Durchlass schmiegen sich uralte Kais an die Küste und darüber ebenso alte Häuser uns dunklem Stein und von einer abenteuerlichen Eleganz. Wo soll hier, in diesem schmalen Fluss, eine so große Fähre wie die unsere landen? Die Antwort ergibt sich hinter der nächsten Biegung. Vor uns weitet sich der Fluss völlig unerwartet und die alten Häuser weichen neuen Industrieanlagen und Terminals.

Kaum von Bord (schade eigentlich) geht es mit dem nächsten Taxi zum Flughafen. Nein, ganz so blöd sind wir nicht, jedenfalls noch nicht. Hier wartet unser Mietwagen für die nächsten zwei Wochen. Und weil bisher ja so viel glatt gegangen ist und unser Wagen sogar 2 Stunden vor der eigentlich vereinbarten Zeit bereit steht, gibt es ein paar Probleme mit der Versicherung. Irgendwo bin ich bei der Buchung über irgend einen Haken nicht gestolpert, so dass der Wagen mit einer Versicherung ohne Selbstbeteiligung (Jeder weiß wie schnell ein Kratzer in der Tür ist) nun mal eben doppelt so teuer ist wie eigentlich veranschlagt. Da blutet das Herz und die Reisekasse ganz gewaltig, der Kopf schaltet auf den Sparmodus. Der Brocken war nun einmal nicht eingeplant und schon gar nicht direkt zu Beginn.
Wenigstens passt alles in unseren kleinen Renault und nachdem ich ihn kurz nach dem anlassen direkt abgewürgt habe, klappt es auch mit dem links schalten. Zaghaft und mit dem inneren mahnenden Schrei: “LINKS!” geht es auf die öffentlichen Straßen, hin zum ersten Supermarkt. Da wir weder den einen noch den anderen Laden kennen dauert es eine Weile und viele Parkplatzwechsel bis wir einen gigantischen Laden gefunden haben der fast alles führt was wir noch benötigen.

Nun endlich komplett kehrt das Urlaubsfeeling langsam zurück, auch wenn die zusätzliche Versicherung noch ziemlich das Gemüt belastet. Zaghaft und in gemütlichem Tempo nähern wir uns der schottischen Grenze. Während Simon auf die gute alte Weise, mit Landkarte, navigiert, konzentriere ich mich darauf auch nach dem abbiegen noch links zu fahren. Bis zu einem kleinen Örtchen namens Berwick-upon-Tweed (55°46’15” N 1°59’55” W). Auf der Landkarte sieht er ganz interessant aus. Direkt am Meer, von einem Fluss durchzogen und die touristischen Hinweisschilder weisen auf zahlreiche sehenswerte Dinge hin. Tatsächlich finden wir eine Stadtmauer deren Anfänge schon im Hochmittelalter liegen und über die Tudors hin, bis in die heutige Zeit reichen. Hier lohnt es sich die Kamera auszupacken und auf Erkundungstour zu gehen. Neben der steil abfallenden Mauer und einem grandiosen Ausblick es viele schöne alte Gebäude die sich zum Ablichten geradezu anbieten.

Von Berwick aus zieht es uns weiter nach Norden, endlich über die schottische Grenze und hinein in den Dunstkreis von Edinburgh. Da sich so dicht an der Stadt kein brauchbarer Platz für unser Zelt finden lässt, muss noch einmal ein Hotel her. Nun werden die Pläne für den kommenden Tag geschmiedet, während Toni Macaroni uns mit guten Essen versorgt.

Schottland – Tag 1

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15.09.26 Schottland
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Ganz bewusst haben Simon und ich uns dafür entschieden die Anreise nach Schottland nicht mit dem Flugzeug vorzunehmen, sondern den langen Weg über Bahn und Fähre gewählt. Wir haben uns erhofft auf diesem Weg mehr Leuten zu begegnen und Kontakte zu knüpfen. Mein Ziel für die kommenden zwei Wochen ist es zu möglichst vielen Menschen Kontakt zu knüpfen und etwas über sie zu erfahren. Zum einen möchte ich so ein wenig in Richtung Reportagefotografie kommen oder zumindest einmal ausprobieren was ich dafür halte und zum anderen ist es eine große psychische Herausforderung die ich bewältigen möchte.

Der Tag beginnt um fünf mit dem packen der letzten Utensilien. Ich bin gespannt was und wie viel ich vergessen habe (Mein Handyladekabel). Eine Stunde später im Taxi habe ich das erste Mal die Möglichkeit jemanden kennen zu lernen: Den Taxifahrer.

Er kommt aus dem Irak, genauer aus Bagdad. Dort hat er BWL studiert und mehrere Jahre in der Buchhaltung gearbeitet, bis er zu viel Angst um seine Familie hatte. “Du musst immer Angst haben, wenn du arbeitest, wenn du spazieren gehst, egal was du machst. Du weißt nie wann sie kommen und dir sagen das etwas passiert ist.”. Neben seinem Hauptberuf als Buchhalter hat er einen kleinen Laden geführt um sich und seine Familie zu ernähren. Zumindest so lange bis Alkohol verboten wurde.
Vor sieben Jahren wanderte er mit seiner Mutter, seiner Frau und seinen Kindern nach Deutschland aus, beantragte Asyl und durchlief die Gründlichkeit der deutschen Bürokratie. Zu diesem Zeitpunkt waren seine Brüder bereits nach Sydney und Australien ausgewandert.
Stolz erzählt er mir, das er seit einer Woche die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Auf die Frage ob Deutschland es ihm leicht gemacht habe sich zu integrieren bekommt seine Stimme einen traurigen Klang. Er hat viele Versuche unternommen sein Studium anerkennen zu lassen, an Maßnahmen teil genommen, die Sprache gepaukt. Doch man hat sich dazu entschieden sein Studium nicht anzuerkennen. Trotzdem hat er stets gearbeitet, da ist er stolz drauf. Egal ob als Kellner oder Taxifahrer. Sein Traum ist es nun Busfahrer zu werden. Ihm gefällt der Kontakt zu Menschen und es gibt ein bisschen mehr Geld. Ob er denn jetzt mit einem Job auskommt frage ich ihn. Es reicht sagt er, genug zum Leben und sich etwas leisten.
Jetzt wo er endlich seinen deutschen Pass hat möchte er als erstes seinen Bruder und seine Nichte in Australien besuchen, die er seit über 10 Jahren nicht gesehen hat. Mit irakischem Pass hätte er mehrere Tausend Euro auf dem Konto gebraucht, eine offizielle Einladung seines Bruders über die Botschaft und einige weitere Unterlagen die nicht so einfach zu bekommen sind. Jetzt kann er einfach einen Flug buchen und endlich einen Teil seiner Familie wiedersehen.

Die Fahrt mit der Bahn verläuft erwartungsgemäß. Gleich der erste Zug hat so viel Verspätung das es fraglich ist ob wir unseren Anschluss bekommen. Erfreulicherweise klappt es jedoch und erst der zweite Zug ist so spät dran, das wir unseren Anschluss verpassen. Auf der Fahrt von Hamburg nach Duisburg teilen wir uns das Abteil mit einer Verschwörungstheoretikerin und zwei Jungs die gemeinsam mit uns die Augen rollen. Wirklich viel ist aus ihrem zusammenhangslosen Theorien nicht zu verstehen. Nur so viel das sie aus Rostock weg fährt, weil sie befürchtet das dort bald Krieg ausbricht und das ein ganz toller Wunderstoff namens “MMS” Tuberkulose, AIDS, Krebs und auch sonst alles heilen kann.

In Amsterdam müssen wir uns wegen der Verspätung spontan neue Wege suchen. Wieso hängt hier eigentlich nirgends ein Fahrplan? Also so wirklich keiner, weder wohin der Zug auf dem Gleis vor mir fährt, noch eine Übersicht über das Netz. Also heißt es ein wenig raten und sehen was passiert. Am Ende erreichen wir unsere Fähre tatsächlich kurz nach Beginn des Check in. Ab jetzt ist Urlaub angesagt, ab hier gibt es keinen Zeitplan mehr, nichts dass wir verpassen könnten. Man merkt uns beiden an wie Ruhe einkehrt und mit ihr auch die erste Müdigkeit. Rasch werden die Kameras ausgepackt, einsatzbereit gemacht und das Schiff erkundet. Dabei fällt uns auf, das mindestens acht Klassen an Bord sind die auf Studienfahrt nach Edinburgh wollen. Da müssen wir morgen unbedingt noch mal nachhaken was es damit auch sich hat.

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