Schottland – Tag 15

eingetragen in: Allgemein | 0

Ein letztes Mal melde ich mich noch. Heute ohne große Fotogalerien sondern mit einer kleinen Zusammenfassung dessen was wir in Schottland gelernt haben. Falls jemand von euch ebenfalls einen Urlaub im Norden “der Insel” plant, darf er gerne davon profitieren.

Anreise:
Auch wenn es bedeutend aufwändiger ist, wer die Zeit hat sollte mit der Fähre aus Amsterdam anreisen. Auch wenn es ungleich länger dauert als mit dem Flugzeug so hat man doch mehr Gelegenheit Leute kennen zu lernen, schon während der Anreise etwas zu sehen und es ist in den meisten Fällen auch deutlich billiger.

Mobilität vor Ort:
Eine ganz klare Empfehlung zum Mietwagen. Der schottische Nahverkehr ist ziemlich mau und fährt schon gar nicht in die Touristisch interessanten Gebiete. Er ist eben primär dafür da Schotten von einer Stadt in die nächste zu befördern. Wer dann die Highlights sehen will muss wieder Bustouren engagieren die ihre festen Ziele anfahren und bei denen man sich auch an andere reisende bindet. In der Summe kommt man nicht billiger weg als bei einem Mietwagen.
Für diesen sollte man dann zwei Dinge beachten:
1. Freie Kilometer. Ich bin in den Tagen knapp 2000 Meilen gefahren um uns über die Insel zu bringen. Bei einer Kilometerpauschale hätten wir uns deutlich mehr zurück gehalten und vieles nicht gesehen.
2. Vollkaskoversicherung. Ja die ist teuer. Wir haben auch geschluckt bei 20$ pro Tag. Allerdings wird es auf Supermarkparkplätzen oder durch Rollsplit Kratzer im Auto geben und eine Selbstbeteiligung von 900$ ist dann doch deutlich mehr.
Die schottischen Straßen sind im Übrigen aller erste Sahne. So lange man nicht gerade eine Hofauffahrt vor sich hat sind alle Wege gut asphaltiert und die Fahrbahn wird ständig erneuert. Selbst auf den abgelegensten Straßen liegt ein guter Belag der jedes Offroadfahrzeug unnötig macht.
Ein kleiner Tipp noch: Die Schotten sind ein sehr freundliches Volk und sehr hilfreich gegenüber Touristen aber sie hängen im Verkehr nicht gerne hinter ihnen fest. Seid so nett und fahrt hin und wieder links ran und lasst sie vorbei. Sie werden es auch danken.

Unterkünfte:
Ich bin in diesem Urlaub ein Freund von Bed & Breakfast geworden. Diese werden meist von Familien betrieben und man lernt auf diesem Wege unglaublich viel spannendes über die Orte und Sehenswürdigkeiten. Davon abgesehen ist das Frühstück so viel besser als in jedem Hotel in dem ich je war. Preislich kommt man in der Regel mit 60 – 80$ pro Doppelzimmer aus (Was ebenfalls günstiger ist als ein qualitativ gleichwertiges Hotel)

Reservieren oder nicht?
Das hängt schlicht davon ab wo man hin will und wie spontan man sein möchte. Wer feste Ziele und eine Route im Blick hat sollte gerade zur Hauptzeit reichlich im Voraus reservieren. Gerade die B&B schließen mehrheitlich Anfang Oktober so das z.B. Skye fast komplett geschlossen ist was Betten angeht. Hier lohnt es sich vorher Erkundungen einzuholen.
Wer spontan, aufgrund von Empfehlungen ortskundiger oder anderem spontan entscheiden will wohin es geht, für den machen Reservierungen natürlich keinen Sinn. Er sollte sich aber auch dem eben beschriebenen bewusst sein und am besten ein Zelt dabei haben. Wild campen ist in Schottland erlaubt (anders als in England) und man trifft recht oft andere Camper. Einzige Regel: “Common sense”. Theoretisch spricht nichts dagegen mitten in Edinburgh auf einem Kreisverkehr zu campen, aber in Anbetracht der Ablenkung für die Autofahrer sollte man das wohl doch eher lassen. Es gibt auch einige Parkplätze die kein Parken über Nacht oder explizit Campen verbieten. Simon und ich hatten aber nie Probleme in unter einer halben Stunde einen Platz zu finden.
Kurze Schlussbemerkung: An der Ostküste ist die Platzsuche aussichtslos. Hier liegt die Landwirtschaft und was eingezäunt ist, ist privat und nicht wild. An der Westküste sieht es anders aus. Hier ist es ein Leichtes genügend Grün für ein Zelt zu finden.

Reiseziele:
Wer auf Burgen, Abbys und Ruinen steht, ist an der Ostküste genau richtig. Hier sind solche Bauwerke touristisch gut erschlossen und der Explorers Pass deckt die Mehrheit davon ab. Meiner Meinung nach lohnen sich die beiden größten Städte in keinem Fall. Glasgow ist nicht anders als die und vertrauten Großstädte und Edinburgh wird überschätzt. Wer ein wenig weiter nach Stirling fährt, bekommt Edinburgh in schöner und schmucker. Auch das Stirling Castle ist ansprechender als sein Pendant in Edinburgh.
Wer auf Landschaft steht, der muss in den Westen. Wenig Landwirtschaft und dünne Besiedlung lassen wesentlich schönere Aussichten zu. Dazu kommt das hier die steileren Berge und schrofferen Felsen zu finden sind. Auch wechselt die Fauna hier hinter jeder zweiten Kurve komplett. Kintyre und Skye sind meiner Meinung nach Pflicht. Loch Ness und Loch Lommond sind überlaufen, industrialisiert und überbewertet. Wenn, dann fahrt lieber nach Lock Awe oder anderen etwas abseits gelegenen See.
Wer eine Destillentour machen will, dem kann ich nur davon abraten. Nehmt mit Talisker eine größere, mit Famous Grouse oder Royal Lochnagar eine kleinere mit. Von da an wiederholt sich alles. In jeder Destillerie wird der Whisky gleich hergestellt und in den Shops bekommt man etliche Sorten. Wer gerne probiert, der kann das auch ohne die Touren und besucht gezielt ein Tasting.
Wer viele Inseln besuchen will, der sollte nach dem “Hop on and off Pass” schauen.

Wie auch immer ihr unterwegs seid: Runter von den großen Straßen. Die viel spannenderen Dinge gibt es auf den sogenannten “Intermediate Roads” zu sehen. Das sind einspurige Straßen mit kleinen Ausweichmöglichkeiten. Wir hatten das Gefühl, das hier während einer Party einfach über die Landschaft geteert wurde, aber nachdem man sich dran gewöhnt hat kann man gut darauf fahren. Es gibt viele Bodenwellen, plötzliche scharfe Kurven und Schotten die darauf entspannt mit 50 Meilen fahren. Dafür kann man jederzeit anhalten und atemberaubende Aussichten genießen

Ich hoffe ihr konntet mit den Tipps ein wenig anfangen. Falls ihr selbst noch welche habt, schreibt sie gerne in die Kommentare.

Ansonsten bleibt mir zum Schluss nur noch Danke für das Verfolgen unserer Reise zu sagen.