Schottland – Tag 2

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15.09.27 Schottland
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Das sanfte Rollen des Schiffes und die monotonen Vibrationen der Motoren haben uns wohlig durch die Nacht gebracht. Dank der Zeitumstellung und des fehlenden Fensters sind wir viel früher auf den Beinen als gedacht und können an Deck einen wundervollen Sonnenaufgang über der Nordsee beobachten. Ganz langsam schiebt sich ein orange glühender Ball durch den Dunst, der den Horizont bedeckt und färbt einen klaren, dunkelblauen Himmel langsam gelb.
Wenig später kommen die ersten Ausläufer der englischen Küste in Sicht. Dann macht der Kapitän zwei kleine Kurskorrekturen und wie aus dem Nichts taucht die Hafeneinfahrt von Newcaste upon Thyne vor uns auf. Zwei massive Mauern an deren Ende je ein großer, düsterer Leuchtturm stehen schieben sich von den Landseiten aus ins Meer, so dass nur eine schmale Durchfahrt bleibt. Sofort spielen sich vor dem inneren Auge Szenen aus der Zeit der Piraten und Freibeuter ab, für die diese Einfahrt ein unüberwindbares Hindernis gewesen sein muss.
Hinter dem Durchlass schmiegen sich uralte Kais an die Küste und darüber ebenso alte Häuser uns dunklem Stein und von einer abenteuerlichen Eleganz. Wo soll hier, in diesem schmalen Fluss, eine so große Fähre wie die unsere landen? Die Antwort ergibt sich hinter der nächsten Biegung. Vor uns weitet sich der Fluss völlig unerwartet und die alten Häuser weichen neuen Industrieanlagen und Terminals.

Kaum von Bord (schade eigentlich) geht es mit dem nächsten Taxi zum Flughafen. Nein, ganz so blöd sind wir nicht, jedenfalls noch nicht. Hier wartet unser Mietwagen für die nächsten zwei Wochen. Und weil bisher ja so viel glatt gegangen ist und unser Wagen sogar 2 Stunden vor der eigentlich vereinbarten Zeit bereit steht, gibt es ein paar Probleme mit der Versicherung. Irgendwo bin ich bei der Buchung über irgend einen Haken nicht gestolpert, so dass der Wagen mit einer Versicherung ohne Selbstbeteiligung (Jeder weiß wie schnell ein Kratzer in der Tür ist) nun mal eben doppelt so teuer ist wie eigentlich veranschlagt. Da blutet das Herz und die Reisekasse ganz gewaltig, der Kopf schaltet auf den Sparmodus. Der Brocken war nun einmal nicht eingeplant und schon gar nicht direkt zu Beginn.
Wenigstens passt alles in unseren kleinen Renault und nachdem ich ihn kurz nach dem anlassen direkt abgewürgt habe, klappt es auch mit dem links schalten. Zaghaft und mit dem inneren mahnenden Schrei: “LINKS!” geht es auf die öffentlichen Straßen, hin zum ersten Supermarkt. Da wir weder den einen noch den anderen Laden kennen dauert es eine Weile und viele Parkplatzwechsel bis wir einen gigantischen Laden gefunden haben der fast alles führt was wir noch benötigen.

Nun endlich komplett kehrt das Urlaubsfeeling langsam zurück, auch wenn die zusätzliche Versicherung noch ziemlich das Gemüt belastet. Zaghaft und in gemütlichem Tempo nähern wir uns der schottischen Grenze. Während Simon auf die gute alte Weise, mit Landkarte, navigiert, konzentriere ich mich darauf auch nach dem abbiegen noch links zu fahren. Bis zu einem kleinen Örtchen namens Berwick-upon-Tweed (55°46’15” N 1°59’55” W). Auf der Landkarte sieht er ganz interessant aus. Direkt am Meer, von einem Fluss durchzogen und die touristischen Hinweisschilder weisen auf zahlreiche sehenswerte Dinge hin. Tatsächlich finden wir eine Stadtmauer deren Anfänge schon im Hochmittelalter liegen und über die Tudors hin, bis in die heutige Zeit reichen. Hier lohnt es sich die Kamera auszupacken und auf Erkundungstour zu gehen. Neben der steil abfallenden Mauer und einem grandiosen Ausblick es viele schöne alte Gebäude die sich zum Ablichten geradezu anbieten.

Von Berwick aus zieht es uns weiter nach Norden, endlich über die schottische Grenze und hinein in den Dunstkreis von Edinburgh. Da sich so dicht an der Stadt kein brauchbarer Platz für unser Zelt finden lässt, muss noch einmal ein Hotel her. Nun werden die Pläne für den kommenden Tag geschmiedet, während Toni Macaroni uns mit guten Essen versorgt.