Schottland – Tag 5

15.09.30 Schottland
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Dies ist der erste Tag an dem es mir schwer fällt unsere Reise zusammen zu fassen. Ich bin heute von der Ost- zur Westküste gefahren, von da aus nach Süden, bis zu unserem heutigen Schlafplatz. Alles in allem nicht so viel, vielleicht 150 Meilen in etwa 6 bis 7 Stunden. Aber mir macht der Linksverkehr noch immer mehr zu schaffen als ich mir eigentlich eingestehen möchte. Auf unserem Weg durch die Küstenstadt Oban habe ich nicht mehr wahr genommen als die Straße vor mir, wie ein Fahranfänger im Tunnelblick. Auf mehr als den Verkehr und unser Auto konnte ich mich nicht konzentrieren; weder auf Straßenschilder noch Anzeigen oder sonstiges. Ohne Simon als hervorragenden Navigator hätte ich das Auto abstellen müssen.
Auf den Landstraßen ist es meistens besser. Es gibt hier im Westen jedoch reichlich Straßen die gerade breit genug für ein Auto sind und nur hin und wieder für ein “passing place” erweitert werden. Dazu kommen steile Kuppen und enge Kurven. Den Schotten scheint das nicht sonderlich viel auszumachen. Anders kann es jedenfalls nicht sein, wenn man auf solchen Straßen noch entspannt mit über 40 Meilen (also mehr als 60 km/h) pro Stunde dahin brettert. Das wäre mir selbst bei Rechtsverkehr schon zu heikel. Dieses andauernd extrem weit vorausschauende fahren kostet unglaublich viel Energie.
Heute Abend haben wir uns beide für das Gemüt ein Bed & Breakfast gegönnt. Damit wollen wir Kraft schöpfen für die nächsten Tage. Mindestens die nächsten zwei Nächte wollen wir wieder im Zelt verbringen. Wir tun uns allerdings noch unglaublich schwer damit einen Schlafplatz zu finden. Wir beide sind eher von schüchternem Gemüt und soziale Kontakte sind nicht unsere Stärke. Da auch hier im Westen mehr der planen Felder eingezäunt sind als wir uns aus unseren bisherigen Gesprächen gedacht hätten, müssten wir auf Höfen fragen. An denen fahren wir aber meistens mit dem Kommentar: “Da hätte wir mal fragen können…” vorbei. In einem längeren Gespräch heute Abend sind wir uns dieses kleinen Problems bewusst geworden und wollen unbedingt daran etwas ändern. Ich drücke uns mal die Daumen.

An diesem Morgen hat es eine Weile gedauert bis wir uns aus den warmen und kuscheligen Schlafsäcken gewühlt hatten. Draußen hatte sich Frost über das Gras gelegt und ließ die Welt in blassem grün-weiß erstrahlen. Laut kurzfristig befragtem Auto waren es 3°C. Kein Wunder das uns das Aufstehen schwer fiel.
Das Frühstück lief, dank im Schlafsack vorgewärmter Nutella, bedeutend einfacher ab als gestern. Auch das zusammenpacken läuft schon besser.

Das erste Ziel des Tages finden wir aus dem Autofenster heraus. Ein See der glatt und ruhig die Berge hinter sich spiegelt, blitzt durch die Bäume. Nur ein paar Meter weiter findet sich ein Parkplatz. Spiegelglatt liegt Loch Iubhair vor uns. Grober Kies bildet das Ufer. Kleine Zuläufe plätschern sanft und gleichmäßig über die Steine.
Witziger Weise war ich vor einem Jahr auf meinem verlängerten Wochenende schon einmal hier. Damals ist mir die überwältigende Schönheit des Ortes jedoch entgangen. (56°24’12” N 4°33’37” W)

Nun geht es quer durch das Land. Alle paar Minuten ändert sich das Bild vor uns. Aus weichen Hügeln werden zerklüftete Steilhänge, die ein wenig an Teile des Harz erinnern, dann gibt es große elegant geformte Hügel die von Gesteinen gespickt werden und in der Nähe der Westküste fahren wir durch von brutaler Gewalt gebrochene Gesteine die sich scharf und Spitz in abstrusen Formationen zu beiden Seiten erheben.
Völlig von diesen Eindrücken überfordert erreichen wir bei Connel die Westküste. Hier geht Loch Etive in die offene See über und bei Ebbe kann man an diesem Übergang einen kleinen Wasserfall beobachten der eine gewaltige Strömung nach sich zieht. Tosend wirbelt das Wasser auf, Kanufahrer mühen sich durch reißende Wogen, tonnen von Wasser werden in die Tiefe gedrückt, nur um am Ufer wieder brodelnd empor zu steigen. Ein fantastisches Schauspiel für die sich ein Halt lohnt. (56°27’17” N 5°23’38” W)

Da es morgen mit der Fähre nach Islay gehen soll führt uns der Weg weiter nach Süden. Einer spontanen Eingebung folgend biege ich nach einer Weile ab und folge einer der vielen braunen Beschilderungen zu schottischen Sehenswürdigkeiten. Schilder die man in den ersten Stunden echt super findet und meint, Deutschland bräuchte auch mehr solcher Hinweisschilder. Nach spätestens zwei Tagen hat man genug von ihnen. Egal wo entlang man fährt, in jede Richtung zeigt ein braunes Schild auf mindestens drei Sehenswürdigkeiten. “Bridge over the atlantic” klang dann aber doch verlockend. Wie man auf den Fotos sehen kann ist die kleine Steinbrücke auf die Insel Seil nicht so wirklich beeindruckend. Vor allem nicht im Vergleich zu der abenteuerlichen Fahrt dorthin. (56°19’4″ N 5°35’1″ W)

Unseren heutigen Schlafplatz finden wir, nachdem uns zwei B&B wegen fehlender Zimmer abgewiesen haben, in Kilmartin (56°7’58” N 5°29’11” W). Zuerst wollten wir hier vor dem Hotel zelten. Angeblich ist das unter Campern ein sehr beliebter Platz. Verständlich bei der Aussicht über das Tal. Simon hat dann jedoch noch das B&B entdeckt in dem ich nun wie oben erwähnt schreibe. Zum Abschluss des Tages werden nun noch die Fotos von heute gesichtet.