Schottland – Tag 6

15.10.01 Schottland
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Mull of Kintyre, oh mist rolling in from the sea…
Dieser alte McCartney Klassiker wird mich den ganzen Tag verfolgen. Als ununterbrochener Ohrwurm.

Schon kurz nach dem Aufstehen stellt sich die Frage wer denn da bloß die Landschaft geklaut hat. Ein tiefer, undurchdringlicher Nebel ist über Nacht aufgezogen und hat alles verschluckt. Nur mühevoll lässt sich die andere Straßenseite erkennen. Während unsere Gastgeberin uns mit klassisch schottischem Frühstück verköstigt (Sausages, Bacon, Pancake, Haggis, Blutwurst) stellen wir einige Fragen über Land und Leute, sowie mögliche Ausflugsziele. Wir erfahren dabei, dass der gälische Name des Hotels, das bei der “Brücke über den Atlantik” liegt, so viel bedeutet wie: Hier die Hosen wechseln. Das Hotel, eigentlich ein Pub, wurde noch zu Zeiten gebaut als das Festland englisch und die Insel selbst gälisch war. Zu der Zeit war das tragen der typisch schottischen Bekleidung jedoch in England nicht gestattet und so mussten diejenigen die über die Brücke wollten dort ihre Röcke gegen Hosen tauschen. Spannender kleiner Fakt.
Im weiteren erfahren wir, dass die Region Kintyre, südlich von uns, überaus lohnenswert ist. Wir entschließen uns zuerst an der Westküste nach Süden zu fahren, dann nach Campbeltown und dann im Osten wieder zurück.

Der anfängliche Nebel will sich partout nicht lichten und der Wechsel in der Vegetation zeigt, dass er hier öfter hängt. So wie es das Lied nahe legt. Gigantische Farne, Blätter größer als unsere Rucksäcke, Moos das über alles wuchert. Und zwischen all dem, den moosbewachsenen Bäumen, den Farben, etwas das aussieht wie Lianen, hängt der Dunst. Wir könnten uns auch in einem Dschungel befinden, irgendwo zwischen Indonesien und Vietnam. Nur mit besseren Straßen. Die Achterbahn aus Asphalt bringt uns immer weiter nach Süden und nur selten lichtet sich dabei der Nebel. Wie sich zeigt ist es eine riesige Wolke die vom Meer aus auf die Küste drückt.
Immer wieder bietet dieses Auftauchen aus der Wolke faszinierende Ausblicke. Das erste Mal halten wir direkt am Meer wo es für einen Moment klar ist. Den Weg vom Parkplatz müssen wir uns durch etwas bahnen das wie gigantischer Rhabarber aussieht (55°44’0″ N 5°36’1″ W). Einen weiteren Halt legen wir entlang der Küstenstraße ein. Hier verlaufen sich die Berge im Hintergrund wundervoll im Dunst und an dem Streifen zwischen Straße und Meer hat man Common Wealth War Graves einen wunderschönen Platz gegeben und damit Soldaten eine würdevolle letzte Ruhestätte gegeben (55°32’58” N 5°42’19” W).
Wir haben Campbeltown fast erreicht als sich ein Abzweiger anbietet, vom dem es scheint als würde er zu einem See in der Mitte der Landzunge führen. Was kann schon schief gehen. Also folgen wir der abenteuerlichen Straße, die gerade breit genug ist für ein Auto und die üblichen “Passing Places” Möglichkeiten zum Ausweichen bieten. Inzwischen habe ich mich an diese Straßen und den Schrecken gewöhnt, den ein entgegenkommendes Fahrzeug auslöst.
Zum ersten Mal sehen wir ein Hinweisschild, das uns vor Schafen auf der Straße warnt. Und tatsächlich liegt wenig später das erste Tier gemütlich auf der Straße und macht keinen Hehl daraus, dass es keine Eile hat uns aus dem Weg zu gehen. Es folgen viele weitere Schafe die an der Straße gemütlich grasen und sich von unserer Anwesenheit nicht beeindrucken lassen. Am Ende der Straße liegt ein großer Stausee an dem sich einige spannende Fotos machen lassen. Insbesondere von Schafen… (55°30’33” N 5°37’54” W)

Campbeltown selbst liegt wieder in dichtem Nebel und wir belassen es bei einem Abstecher zu Tesco’s um uns sogleich wieder durch den malaysischen Urwald zu wagen. Irgendwo auf einer Hügelkuppe haben wir uns einen Punkt gesucht um den surrealen Anblick den Nebel und Vegetation bieten fest zu halten. Mal sehen ob es gelungen ist. (55°33’35” N 5°29’45” W)
Das Gleiche versuchen wir auch noch einmal an einem kleinen Strand, wo eine Familie von dem Schauspiel völlig unbeeindruckt picknickt. (55°34’6″ N 5°29’41” W)

Den Abschluss findet der Tag wieder in Kilmartin. Dieses Mal jedoch im Zelt auf einer Wiese. Leider müssen wir uns mit diesem Abend auch von unserem Spannungswandler verabschieden der die letzten Tage fleißig unsere Akkus geladen hat. Wir haben ihm wohl zu viel zugemutet.