Schottland – Tag 7

eingetragen in: Fotografie, Landschaften 0
15.10.02 Schottland
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Alleine für diesen einen Tag hat sich die gesamte Reise gelohnt. So viele verschiedene Orte haben wir an keinem Tag zuvor gesehen. So nah an dem “Erlebnis Schottland” waren wir noch nie. Dieser Tag ist der Inbegriff warum wir her gekommen sind.

Anfangen hat alles mit leichtem Morgennebel der sich durch das Tal zu unseren Füßen und über die Berghänge an den Seiten schiebt. Zusammen mit den Farnen und dem Moos das über alles wächst, fühlte man sich sofort wieder an einen subtropischen Regenwald erinnert.

Unser Tagesziel war es in Richtung Skye zu kommen. So nahe wie es halt passt. Dazu haben wir uns entschieden nicht die großen, sondern die besonders kleinen Straßen zu nehmen. Wir haben in den letzten Tagen die meisten Spots und die besten Aussichten an Straßen gefunden die auf unserem Atlas als Straßen “intermediate streets” gekennzeichnet sind. Dabei handelt es sich um einspurige Straßen die weit ab der üblichen Touristenwege liegen und an Stellen führen, die die Schnellstraßen meiden. So durchqueren wir auch dieses Mal eine Vegetation bestehend aus gigantischen Blättern, Moos das Bäume, Mauern und Brücken überwuchert, Pflanzen die in frischem Grün erstrahlen als hätten wir Frühjahr und nicht Herbst, und zwischen all dem undurchdringlicher Dunst.

Unser erster Stopp liegt am Loch Awe, direkt an einem Hotel. Der kleine Angler- und Bootssteg bietet einen fantastischen Ausblick. (56°20’22” N 5°9’30” W)
Weiter geht es dann über eine Hauptstraße in Richtung Norden. Immer wieder blitzt eine schöne Landschaft durch die Bäume am Straßenrand. Der Regenwald ist einem Feuchtgebiet aus großen Wiesen gewichen auf denen sich Schafe im meterhohen Gras verstecken. Mit einem Mal wird eine Ruine sichtbar, wie sie da mitten in einem See steht, zugänglich nur über einen Damm von hunderten Meter Länge. An der Seite, an der wir uns befinden, liegt vor dem See ein breiter Streifen Schwemmland an dessen Kante sich ein Hain befindet. Irgendwie sieht er stark nach aller Kultstätte aus. Ein guter Grund also sich der Burgruine bis zur Wasserkante zu nähern und den Hain genauer zu betrachten. Einige Male müssen wir umkehren und uns einen anderen Weg suchen, denn der Boden ist viel zu weich um ihn betreten zu können. Am Ende erreichen wir aber doch den See und den Hain. Wundervolle Fotos im Kasten. (56°24’4″ N 5°1’37” W)
Bei der Suche nach einem Weg zum Damm, um die Ruine genauer in Augenschein nehmen zu können, finden wir auf unserer Karte den Namen der alten Burg: Kilchurn. Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit zu ihr zu gelangen. Das sogar trockenen Fußes und von einem großen Parkplatz aus auf dem uns eine von diesen vielen japanischen Reisegruppen entgegen kommt. Wohl doch nicht so der Geheimtipp wie gedacht. Die Burg selber können wir nicht betreten. Sie ist von Bauzäunen abgesperrt. Es scheint so, als würde hier daran gearbeitet den Ort für Touristen zugänglicher zu machen. (56°24’16” N 5°1’33” W)

Nun führt uns unser Weg wieder runter von der Hauptstraße, entlang des Orchy. Ein breiter Fluss der sich zwischen kleinen Geröllhalden dahin schlängelt um dann auf halber Strecke zwischen zackigen, scharfkantigen und glänzenden Granitsteinen in zwei Dutzend Wasserfällen in die Tiefe zu stürzen. Überall rauscht es, Stromschnellen kündigen die Wasserfälle an und zwischen den Steinen bilden sich hier und da ruhigere Seen. Ein Besuch lohnt sich wirklich. Nur vorsichtig sollte man sein, denn die Steine sind extrem glatt. (56°26’54” N 4°51’8″ W)

Von jetzt an gibt es keine Nebenstraßen mehr auf die wir uns verdrücken können und wir müssen mit den anderen Touristen in Richtung Fort William schwimmen. Bevor wir diesen Ort erreichen machen wir noch zwei Mal Halt. Das erste Mal auf einem großen Parkplatz (56°34’6″ N 4°45’16” W) mit umwerfender Aussicht über das Land hinter uns. Zwischen gigantischen Bergen erstreckt sich ein sonnenbeschienenes Tal auf das man aus hunderten Metern herab schaut. Ein Anblick an dem man sich nicht satt sehen kann.
Der Zweite Halt ist ein viel kleinerer Parkplatz (56°39’20” N 4°52’37” W) von dem sich unweit ein Bach aus den steilen Bergen den Weg zum nächsten Loch bahnt. Mit sich hat er schwere Gesteinsbrocken getragen. Zusammen mit der Vegetation aus niedrigen und knorrigen Flechten fühlt man sich an die Tundra erinnert. Für mich mein Lieblingsspot der Reise bisher. Hier könnte ich Stunden verbringen. (Nachtrag: Es ist auch mein absoluter Lieblingsspot geblieben)

Auf der weiteren Reise türmen sich links und rechts von uns Berge gewaltiges Ausmaßes auf, die wir uns technisch nicht in der Lage fühlen zu erfassen. Sie muss man als Wanderer bezwingen und sich an ihren Flanken empor arbeiten. Wir begnügen uns mit fassungslosen Blicken und staunen bei offenen Mündern.
Es folgt Fort William das als Erholungsort wunderbar geeignet ist, fotografisch aber nicht so viel her gibt. In flottem Tempo geht es jetzt fast bis Loch Ness und dann, kurz vorher, wieder nach Norden, direkt auf Skye zu. Geschlafen wird dieses Mal auf einem Plateau über einem Fluss (vom dem es dann hoffentlich morgen Bilder gibt). Hier sind wir, bis auf einen Staudamm und die Straße die uns her gebracht hat, weitab jeder Zivilisation (57°8’42” N 4°59’32” W). Ein steter Wind geht um das Zelt und dunkle Wolken türmen sich an den Bergketten. Ich bin gespannt und auch etwas besorgt wie die Welt wohl morgen aussieht.