Wandern in der Lüneburger Heide – Tag 3

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Bevor der Wandertag beginnen kann müssen wir erst einmal wieder nach Handeloh. Um eine weitere Wanderbegleitung bereichert werden wir dieses Mal mit dem Auto nach Handeloh gebracht und starten genau an der Stelle wo wir gestern angekommen sind.

Die ersten Meter mache ich mit mulmigem Gefühl. Trotz guter Wanderstiefel habe ich es geschafft mir eine Blase unter dem Ballen zu laufen, die trotz ordentlicher Versorgung etwas schmerzt. Das nun 24km vor mir liegen statt der entspannten 14 auf die mein Kopf sich eingestellt hat, lassen mich lieber etwas gemächlicher und gleichmäßiger gehen als die ersten beiden Tage. Lieber spät im Hotel ankommen als gar nicht.

Anfänglich noch den Bahnschienen folgend biegt der Weg bald ab in dichten Wald und schlängelt sich an der Seeve entlang. Ohnehin etwas gemütlicher unterwegs als meine Begleiter und durch das fotografieren noch langsamer verlieren wir uns in dem dichten Gehölz schnell aus den Augen. Hier reicht es schon hundert Meter zurück zu fallen und man wähnt sich ganz alleine. Es ist ein sehr seltsames Gefühl so alleine unterwegs zu sein. Zuerst fühle ich mich etwas verloren, dann aber, so ohne Gesprächspartner wird der Wald immer lauter und man beginnt mehr und mehr Vögel und andere Tiere zu hören, auf die man bisher nicht geachtet hat. Irgendwie wird alles intensiver.

Gerade dieser erste Abschnitt im Wald ist unglaublich schön und wenn ich nicht so viel vor mir hätte, könnte ich Stunden bleiben. Kurz vor Wesel weicht der Wald dem Anblick von Weizen, Roggen und Rapsfeldern. Darüber kreisen Rohrweiden auf der Suche nach Beute. Rauchschwalben schießen im aberwitzigen Tempo dicht über den Boden.

Inzwischen sind die ersten zehn Kilometer geschafft und mein Fuß meldet sich mehr und mehr. Entlang der Weseler Heide geht es weiter. Was mir zum ersten Mal, wo ich so für mich alleine wandere auffällt ist, dass man ständig einen Kuckuck hört. Aber egal wie dicht ich seinem Ruf auch komme, zu sehen bekomme ich ihn während der ganzen Wanderung kein einziges Mal.

In Undeloh hole ich meine Reisebegleitung in einem Kaffee wieder ein. Eine ausgiebige Pause haben wir die letzten beiden Tage nie wirklich gemacht. Meist hier und da mal fünf oder fünfzehn Minuten, nicht mehr. Heute gönne ich meinem Fuß fast eine ganze Stunde, damit die Blase sich wieder beruhigen kann. Ich hätte nun die Wahl den Weg beträchtlich abzukürzen und entlang der Hauptstraße nach Wilsede zu gehen. Aber ich bin nicht bereit mich bereits am dritten Tag von einer Blase aufhalten zu lassen. Außerdem weigere ich mich mir ein riesiges Stück Heide entgehen zu lassen.

Eine Mühe die sich absolut lohnen soll. Der breite Weg arbeitet sich Stück für Stück in die Höhe, führt an Pferdekoppeln vorbei und über Rinderweiden hinweg. Nach fast fünf Kilometern durch die Heide bietet sich eine umwerfend schöne Aussicht über ein kleines, längliches Tal durch das ich eben noch gewandert bin.

Wie ich an einem Wegweiser erstaunt feststelle befinde ich mich auf einem Teilstück des Jakobswegs. Jetzt kann ich also mit Fug und Recht behaupten auf ihm gewandert zu sein. Andere Auswirkungen kann ich aber zu meinem Bedauern nicht feststellen.

Das mehr als verschlafene Wilsede erreiche ich nach über neun Stunden. Die Füße brennen, jedoch nicht so sehr wie am ersten Tag und auch die Muskulatur tut eisern ihren Dienst. Ich hatte damit gerechnet das der Rücken mit dem Kamerarucksack sich meldet, aber davon ist nichts zu merken. Lediglich die Blase sorgt für ein unrundes laufen.

Zu Tag 1

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